+ + + Hoffnung für die Seehunde in Schleswig-Holstein + + +

Offener Brief an Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein
zum internationalen Tag des Seehundes am 22. März.

Hoffnung für die Seehunde in Schleswig-Holstein

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ …  mit diesen Worten Hermann Hesses möchte ich meine Hoffnung für ein tierschutzgerechtes Seehundmanagement ausdrücken, das nun mit dem neuen Umweltminister Jan Philipp Albrecht etabliert werden kann.
Seit November 2016 versuche ich leidenschaftlich, gemeinsam mit inzwischen über 80.000 Unterstützer*innen meiner Petition
change.org/seehunde
und internationalen Fachleuten, die verantwortlichen Politiker zu einem Umdenken im Seehundmanagement zu bewegen.
Bislang leider ohne jeden Erfolg.

In Schleswig-Holstein hat sich über Jahre ein Konstrukt von Nutznießern geschmiedet, das aus unterschiedlichsten Gründen offenbar ein Interesse am Abschuss von Seehunden hat.
Diesem fallen jährlich bis zu 500 der geschützten, von Touristen geliebten „Maskottchen der Meere“ zum Opfer. Sie werden von Seehundjägern erschossen, weil sie angeblich unheilbar krank sind.
Kurios: Die Diagnose stellt allein der Seehundjäger am Strand.

In den Niederlanden gibt es keine Seehundjäger – ein jedes Tier in Not hat dort das Recht auf tierärztliche Diagnose und evtl. Therapie in den fünf dezentralen Auffangstationen. So werden weit über 90% aller Seehunde – ohne, dass ein einziger erschossen wurde – gesund wieder ausgewildert.
Das zeigt auch, dass höchstens 10% der aufgefangenen Tiere nicht geholfen werden kann.
In Schleswig-Holstein aber stehen viele hundert erschossene Seehunde einer Maximalzahl von 200 in Friedrichkoog aufgepäppelten Tieren gegenüber.

Schleswig-Holstein hat die Verantwortung für einen der wichtigsten Prädatoren der Nordsee vollständig in die Hand der Landesjägerschaft abgegeben.
Die Seehundstation Friedrichskoog ist die einzig legitimierte und wird vom Landesjagdverband und der Gemeinde in Trägerschaft geführt. Sie wird aus Spenden finanziert.
Die Seehundstation ist also ein Wirtschaftsunternehmen, dem scheinbar nur so viele Tiere zugeführt werden, wie es wirtschaftlich von Interesse ist.
Gleichermaßen sind die Fischer nicht unglücklich über eine dezimierte Seehund-Population, denn es handelt sich ja um vermeintliche „Konkurrenten“.
Allerdings hat auch das ITAV (Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung) als Ableger der Tierärztlichen Hochschule Hannover Interesse an „Totmaterial“ zu Forschungszwecken, wie es öffentlich in einer Jägerzeitung zugegeben wurde.

(Link zum Artikel: http://www.jawina.de/hundstage-3/)

Dieses ITAV bildet die Seehundjäger im Rahmen einer Kurzschulung aus, damit sie „Krankheitsbilder“ kennenlernen – und es hält ihnen den „Rücken frei“, was „medizinisch richtige Tötungsentscheidungen angeht“, damit Kritiker*innen eine „Kontrolle“ der Erschießungen vorgegaukelt werden kann.

Wir wünschen uns die Herausnahme des Seehundes aus dem Jagdrecht und die Schaffung weiterer strategisch günstiger und von der Jägerschaft unabhängiger Auffangstationen – damit schnelle und effektive Therapie nach dem probaten Vorbild der Niederlande stattfinden kann.
Je nach Fundort der Seehunde in Schleswig-Holstein müssen die geschwächten oder verletzten Tiere derzeit bis zu 6 Stunden mit Autozug oder Fähre und Auto bis nach Friedrichskoog transportiert werden. Das ist schlicht unvernünftig und nicht mehr vermittelbar.

In Erwartung auf einen gesprächsbereiten Herrn Albrecht im Umweltministerium verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Bettina Jung
Mitgründerin und Sprecherin der
Initiative ETHIA
im Namen aller über 80.000 Unterstützer*innen meiner Petition und meinen auch internationalen Mitstreiter*innen aus den Fachbereichen Wildtierschutz, Meeresökologie und Veterinärmedizin.
Wir sind jederzeit dankbar und offen für Gespräche mit allen Seiten.