Mrz 18

+ + + Offener Brief an Jens Spahn + + +

Sehr geehrter Herr Spahn,
wütend war ich schon über Ihre wenig sensiblen wie in meinen Augen beschämenden Äußerungen im Zusammenhang mit Armut und Hartz4 – Bezug.

Die in der Diskussion um den Abtreibungsparagraphen von Ihnen in diesem Zusammenhang getätigten Äußerungen schlagen nun wirklich dem Fass den Boden aus und ich bin ich mehr als entsetzt, persönlich brüskiert und weitreichend erschüttert.
Sie implizieren, dass Frauenrechtler*innen sich eher für Tierrechte als für Menschenrechte engagierten.
Ich bin Antispeziesistin und setze mich gleichwertig für Menschen- wie für Tierrechte ein.
Ich selbst engagiere mich als Tierheilpraktikerin insbesondere in der Obdachlosenhilfe (also vor Ort für Mensch und Tier – übrigens auch auf den Straßen z.B. Rumäniens und Polens) und war erst heute am Sonntag bei einer Verteilungsaktion von Nahrungsmitteln und Kleidung der „Engel in den Straßen“ an wohnungslose und unterstützungsbedürftige Menschen und ihre Tiere.

Regelmäßig unterstütze ich die bedürftigen Menschen und Tiere am „Gabenzaun am Hauptbahnhof“ in Hamburg.
Gleichermaßen bin ich als Menschenrechtlerin per se FÜR die unbedingte Selbstbestimmung der Frau auf ihren Körper!
Ich sehe mich durch Ihre Äußerungen innerhalb einer laufenden Woche in allen meinen drei Engagementsbereichen brüskiert und verletzt.
Uns – meinen Mitstreiter*innen in den Bereichen Menschen- und Tierrechte und mir – sind Sie eigentlich zu innigstem Dank verpflichtet, gerade weil wir leidenschaftlich von Ihrer Politik vernachlässigten Lebewesen unsere Kraft, Aufmerksamkeit, Zeit, Liebe, Fürsorge und auch Materielles zur Verfügung stellen.
Lebewesen, deren Leid es in unserer Gesellschaft gar nicht geben dürfte!
Und damit meine ich wieder Mensch wie Tier!
Zudem spalten Sie durch Ihre Aussagen fahrlässig oder wissentlich ehrenamtlich engagierte, empathische Menschen und spielen Menschen- gegen Tierrechte aus.

Gerade in der heutigen Zeit mit ihren Problemen auf menschlicher Ebene, die die Basis für das brandgefährliche Wiedererstarken von Rassismus ist, sollten Sie als Politiker, der zudem einer vermeintlich christlichen Partei angehört und unser Land und seine Lebewesen vertritt, achtsamer mit Ihren Worten sein!

Ich hoffe sehr auf Reflexion und eine Entschuldigung.
Im Namen aller durch Ihre Worte verletzten Menschen- und Tierrechtler*innen

Bettina Jung
ETHIA