Dez 14

+ + + Offener Brief an Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zur ganztägigen Öffnung der Kältenothilfe/Winternotprogramm + + +

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Olaf Scholz,

seit einiger Zeit habe ich mein Engagement in Hamburg auch auf die Situation der obdach- un wohnungslosen Menschen in Ihrer Verantwortung ausgeweitet und unterstütze direkt auf der Straße Mensch und Tier

Je dichter man an das Leid der Menschen heranrückt – was ich auch Ihnen als Entscheidungsträger sehr ans Herz legen würde – desto mehr wird deutlich, wie dringend und viel noch zu tun ist.

Dass Sie sich noch immer weigern, die Kältenothilfe ganztägig zu öffnen und so einen Ort der Wärme in einer winterlichen Extremsituation für Menschen zur Verfügung zu stellen, – egal welcher Herkunft – ist wirklich beschämend.

Ich habe an der Seite der Hinz und Kunzt, den Schauspieler*innen des Scharlatan-Theaters, der bedürftigen Menschen und ihren Unterstützer*innen am 6.12. im Bademantel bei „Plus-Graden“ demonstriert.

Ich hatte nach lächerlichen 2 Stunden das Gefühl, nie wieder warm zu werden und wusste doch, daß spätestens nach 10 Minuten meine Heizung im Auto warme Luft pustet, dass eine heiße Badewanne auf mich wartet und ich habe mich geschämt. Für meine „Empfindlichkeit“, für mein immer noch zu geringes Engagement, aber vor allem für einen Bürgermeister, der sich anmaßt, die „WWMMS“ (Weltweiten-Macht-und-Muskel-Spiele), den G20-Gipfel in seiner Stadt stattfinden zu lassen – auf Kosten der zivilcouragierten Bürger*innen und der Polizist*innen, während im Geldgrab „Elphie“ die „Ode an die Freude“ zelebriert wird.

Nun wird bundesweit nach den „Schuldigen“ der Ausschreitungen gefahndet…

Im Falle der obdachlosen Menschen, deren Leib und Leben durch die Kälte und Nässe bedroht ist, könnten Sie einen Teil der Fehler wieder gutmachen.

Die Kältenothilfe ganztägig zu öffnen, wäre eigentlich das Minimum an Fürsorge für unsere wohnungslosen Mitbürger*innen, die es in ihrer Situation eigentlich gar nicht geben sollte.

Hier sind eindeutig Sie gefragt und gefordert.

Die Petition change.org/winternotprogramm, die sich an Sie wendet, unterstützen inzwischen über 28.000 Menschen.

Herr Bürgermeister Olaf Scholz, eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie es ihren schwächsten Gliedern geht.

In der Hoffnung auf zügige Reaktion Ihres Gewissens verbleibe ich mit freundlichen und eindringlichen Grüßen

Bettina Jung
Vorsitzende
ETHIA