OFFENER BRIEF AN Seehundstation Friedrichskoog e.V. und shz.de – Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Das Engagement unserer Vorsitzenden Bettina Jung und der Partei ETHIA im Falle des #Seehundmanagements wurde in Ihrem Blatt „Inselmagazin“ aufgegriffen.
Dafür sei ersteinmal eine nettes „Dankeschön“ vorausgeschickt,

Wir möchten feststellen, dass wir froh sind, wenn sich auch Menschen außerhalb von Bundes- und Ländergrenzen über Missstände jeder Art informieren und Petitionen unterzeichnen.
Man muss dafür nicht im selben Bundesland wohnen. Auch hinsichtlich umweltschutz- und menschenrechtlichsrelevanten Themen selbst auf anderen Kontinenten ist das beispielsweise möglich. Im Falle der Seehunde sind das zur Zeit über 76.000 Menschen, die unsere Petition change.org/seehunde zur tierschutzgerechten Novellierung der Seehundrichtlinie unterstützen. Deshalb wird eine Unterschrift nicht weniger kompetent, wie es in dem Bericht den Anschein haben mag.

Wir fragen uns, wie die unterschiedlichen Angaben zur Aufnahmekapazität von Seehunden in Friedrichskoog zustande kommen.
Diese schwanken in den letzten Monaten extrem.
Sie beginnen bei einer Zahl von 200 und nun ist sogar von 310 aufgezogenen Seehunden pro Jahr die Rede, Seehundstation Friedrichskoog e.V.

Noch 2015 nennt shz.de – Nachrichten aus Schleswig-Holstein in einem Artikel vom 19. August eine Anzahl von 169 Tieren.
Hierzu würde die Anzahl der örtlich benannten Funde in diesem aktuellen Artikel im „Inselblatt“ (30 von Föhr, 46 von Amrum und 36 von Sylt) eher passen.

Wo kamen die anderen etwa 200 Seehunde her? Wie kommen diese Zahlen überhaupt zustande? Wie kann es eine einzige Station leisten, alle aufgefundenen, überlebensfähigen Tiere zu rehabilitieren, wenn diese selbst von einer durchschnittlichen Verweildauer des Einzeltieres bis zu Wiederauswilderung 2-3 Monate dauert? Seehunde kommen häufig in großer Anzahl in Not. Bei Sturmfluten, in Zeiten eines Seuchenzuges oder in der normalen Geburtensaison können das auch 50 Tiere auf einmal sein.

Wir bedauern, dass in dem auf Seehunde spezialisierten Artikel nicht die Leiterin des Robbenzentrums Föhr erwähnt wurde, deren Arbeit doch gerade für die Inseln ein Aushängeschild ist?
Friedrichskoog ist mindestens 130 km entfernt zu den Orten der Fundstellen von Seehunden.

Seehundjäger sind sicher spezialisiert im Umgang mit den Tieren doch Ihre Entscheidung über das Leben undden Tod dieser fällen Sie über die Einschätzung von erstversorgenden Tieräzten, wie auch die der Leiterin dieses Robbenzentrums.

Eine spezialisierte Tierärztin, die international mit Seehunden arbeitet und wertvolle Aufklärungsarbeit mit ihrem Informationszentrum leistet nicht zu erwähnen, wirft Fragen auf.

Seuchenschutztechnisch fragen wir uns, weshalb der abgebildete „medizinische Fachmann Seehundjäger“ auf dem Foto mit dem Heuler weder Mundschutz noch Handschuhe trägt. Damit agiert er entgegen des Hinweises im Artikel für den „Normalbürger“.

Ebenfalls wird der Vorwurf erhoben, den Seehund von politischer Seite aus zu „nutzen“. Wir sehen die „Nutzung des Seehundes“ im Gegenteil hinsichtlich der Publicity für die einzig legitimierte Auffangstation Friedrichskoog, die ja mit den Seehundjägern gemeinsam deutlich im positiven Mittelpunkt der Berichterstattung steht.

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Stellungnahme von Bettina Jung zu den sie betreffenden Ausführungen:

„Dieser Artikel hinterlässt mich als jahrelang mit der Thematik Beschäftigte nahezu sprachlos.
Ich war bei meinem im Text erwähnten Besuch in der Seehundstation Friedrichskoog um, wie auch beschrieben wird, die Heuler von Föhr zu sehen und ihre Ankunft sicher zu stellen. Der Seehundjäger hat diese aus der tierärztlich erstversorgenden Hand des Robbenzentrums Föhr übernommen. Wir alle wissen, dass das nicht bedeuten muss, dass die Tiere dort ankommen, da der Seehundjäger über Leben oder Tod entscheidet und eben auch viele Tiere erschossen und nicht überstellt werden. Ich war mit Absicht vor Ort in Friedrichskoog, BEVOR die Tiere nach Ihrem Transport mit Fähre und Auto eintrafen. Deshalb wäre kein Zugang zur Quarantäne-Station notwendig gewesen, was selbstverständlich nie mein Begehr war. Die Aggression, mit der mir das Warten auf die Tiere ohne jeden vernünftigen Grund verwehrt wurde, sucht ihresgleichen.

Wieso agiert man derart, wenn man nichts zu verbergen hat?

Genau dieser Fall der Heuler, die länger als die vorgeschriebenen 24 Std tierärztlich versorgt worden waren, führte zu einem Bussgeldverfahren gegen das Robbenzentrum Föhr durch das Ministerium.

Ich war bei der Verhandlung zugegen. Die Richterin sowie die Staatsanwältin äußerten sich entsetzt über die Rechtslage, was letztendlich zum Freispruch der beklagten Tierärztin führte. Es wurden dort gegenüber der Richterin weder zufriedenstellende Auskünfte über die Ausbildung der Seehundjäger, noch über in Friedrichskoog tatsächlich anwesende Tierärzte, gegeben.

Allerdings wurde von offizieller Seite der anwesenden Vertreter des Ministeriums und der Jägerschaft festgestellt, man dürfte an der bestehenden Richtlinie keinesfalls etwas ändern, da die Seehundjäger mit Herausnahme des Seehundes aus dem Jagdrecht ihre Motivation verliere, als „Heger“ zu arbeiten. Die Berechtigung zur Abgabe eines Schusses soll die entscheidende Motivation sein? Das wäre ein zusätzlicher Skandal.“

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