„Intersektionaler Veganismus“ – ein Vortrag von Dr. Roger Yates

Die T-Zelle Bremen lud am Mittwoch, den 19.10. zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Intersektionaler Veganismus“ nach Bremen ein.
Die Abendveranstaltung wurde durch einen Vortrag von Dr. Roger Yates, Soziologe an der Universität in Dublin und der University of Wales, der sich auf Tierrechte spezialisiert hat, eröffnet.

Yates gilt als Pionier des Veganismus, ebenfalls ist er Mitbegründer der „Fur Action Group“ und ehemaliges Vorstandsmitglied der BUAV (Britische Union für die Abschaffung der Vivisektion). Aktuell engagiert sich Yates im „Vegan Information Project“, welches sich als veganes, gruppenübergreifendes Projekt versteht.

Mit Herzblut begann ein Statement zu den Wurzeln des Veganismus – keine Ausgrenzungen! Veganismus bedeutet kein Rassismus, kein Speziesismus, kein Sexismus – keinerlei Trennung aufgrund von sozialen Unterschieden. Wir sollen uns unseren Privilegien bewusst werden und diese für alle einsetzen, nicht zur Unterdrückung anderer. Intersektionalität ist ein Werkzeug, welches uns die Zusammenhänge von Privilegien und Unterdrückung verstehen lässt, eine neue Möglichkeit die Art unseres Kampfes für Gerechtigkeit zu überdenken, die Hindernisse, die uns voneinander isolieren zu überwinden und unsere Werte beständig zu leben.

Yates referierte, dass Fleischkonsum und die Einteilung in Spezies gesellschaftsbedingte Ursachen haben. Es wird unterschieden zwischen Haus-, Wild- und Nutztieren. Hieraus resultiert, dass der Mensch es als normal ansieht, Tiere für Lebensmittel zu schlachten und somit auch zu züchten. Hieraus bedingt argumentiert der Mensch eine Tötung von Lebewesen, für die es keine andere Rechtfertigung als die triviale Freude gibt, die wir aus dem Essen oder der Verwendung von Tieren bekommen, die Gesellschaft sieht diese Vorgänge als normal und einen Teil ihres Wohlstandes an. Hiergegen kämpfen seit vielen Jahren aktive Tierrechtler.

Welche Mittel sind zu begrüßen für diesen Kampf? Machen wir uns bewusst: Veganismus ist keine Bewegung, sondern eine Revolution, die Gewaltlosigkeit verkündet. Keine Gewalt gegen irgendeine Spezies. Sehr oft werden jedoch den Andersdenkenden, also denjenigen, die komplett im System verhaftet sind, Verurteilungen entgegengebracht, man solle z. B. ihnen selbiges antun wie sie den Tieren; das jedoch widerspräche der veganen Grundeinstellung. Die Herausforderung bleibt, dass Menschen sehen, dass dieser Missbrauch gestoppt werden muss. „Ich sage immer,“ so Yates, „ich bin ein Tierrechtsaktivist und qualifiziere das mit >einschließlich menschlicher Tiere<. Ich denke, dieses ist eine wichtige Botschaft." Hierzu führte Yates ein praktisches Beispiel an. Man sieht ein vernachlässigtes Wesen – Katze, Hund oder ähnliches. Was tut man? Man nimmt es mit nach Hause und pflegt es – offensichtlich. Allerdings sehen wir auch regelmäßig vernachlässigte Kinder, der Instinkt würde jetzt ebenfalls sagen: Nehme es mit und kümmere dich, gebe ihm eine vernünftige Mahlzeit. Der Verstand und das Gesetz jedoch verbieten das. Hier weiß man, ich kann auch andere Dinge tun und helfen – und ich tue es. Ich tue auch Dinge, um Menschenrechtsverletzungen an Erwachsenen zu verhindern. In diesem Zusammenhang erhält man oft den Vorwurf, dass man sich mehr für die Belange der Tiere einsetzt denn für die Menschen. "Es gibt zu viele menschliche Probleme in der Welt, die wir zuerst lösen müssen, bevor wir an Tiere denken", "Wir müssen zuerst an dem Weltfrieden arbeiten; dann können wir an Tierrechten arbeiten." Ist die Aussage so zu bejahen? Fragen wir uns, ob wir Zeit haben zu essen, ob wir Kleidung, Shampoo und andere Dinge verwenden. Diese Frage ist wichtig, auch wenn man sich fragt, was es damit zu tun hätte. Die Antwort ist einfach: Alles, denn wenn man das Tierproblem wirklich ernst nimmt, muss man nur aufhören, es zu konsumieren, zu tragen oder Produkte zu verwenden, die Tierleid enthalten. Ebenso schließt es ein, jede Art von Unterhaltung, die Tiere benutzt, zu meiden und zu boykottieren. Hiermit beginnt man eine wichtige Form des Aktivismus, nämlich das Vorleben einer Lebensweise, die in keiner Weise die gesellschaftliche Struktur stören würde, denn niemand sagt, dass diejenigen, die für die Menschenrechte kämpfen, damit aufhören sollten und sich stattdessen für die Rechte der Tiere einsetzen müssen. Veganer werden bedeutet nicht den Missbrauch von Kindern, die Gewalt gegen Frauen, die Unterstützung des Krieges zu befürworten. Es ist ein Fehler, Fragen der menschlichen und der tierischen Ausbeutung voneinander auszuschließen, sie gehören zusammen. Jegliche Ausbeutung ist untrennbar miteinander verflochten. Jede Ausbeutung ist ein Manifest von Gewalt und Diskriminierung. Yates wies darauf hin, dass unser Einsatz u. a. für den Tierschutz unglaubwürdig ist, wenn wir hierfür gegen die Prinzipien der Intersektion verstoßen, als Beispiel dafür wurde die Anti-Pelz-Kampagne von PETA in den USA angeführt, während dessen nackte Frauen auf Plakaten posierten oder Gemüse als angedeutetes Sexspielzeug herhalten musste. Diskriminierungen von einzelnen Gruppen um Aufmerksamkeit zu erregen sind kontraproduktiv, in solchen Aktionen werden Frauen diskriminiert und zu Sexobjekten verurteilt. Yates rief dazu auf, die Aktionen im Vorfeld zu hinterfragen. In der anschließenden Diskussion stellte Yates nochmals klar, dass sehr wohl deutliche Bilder gezeigt werden dürfen – ja sogar müssen – aber hierbei ist darauf zu achten, keine weiteren Gruppen zu unterdrücken.
Solange wir Rassismus, Sexismus, Heterosexismus und andere Formen der Diskriminierung tolerieren, wird es keinen Artenschutz geben, unsere Opposition gegen den Speziesismus impliziert logischerweise eine Ablehnung dieser Formen der Diskriminierung. Gandhi sagte einst: „Sie müssen die Veränderung sein, die Sie in der Welt sehen wollen.“

Wenn wir eine gewaltlose Welt wollen, müssen wir die Gewaltlosigkeit in unserem eigenen Leben annehmen. Veganismus ist ein wichtiges Element eines gewaltfreien Lebens, da es keinen Zweifel geben kann, dass alle tierischen Nahrungsmittel und tierischen Produkte das Ergebnis von Gewalt sind.

„Die volle Vision des Veganismus ist grenzenlos… und fängt bei dir an.“

(Peter Hübner)